Hyperthermie
Im Hyperthermiezentrum Hannover bieten wir als Bestandteil der ganzheitlichen Krebstherapie verschiedene Formen der Hyperthermie an. Da Tumorzellen stark hitzeempfindlich sind, wird mit Hilfe der Hyperthermie das Tumorgewebe von außen überwärmt. Ziel der Behandlung ist es, durch Temperaturen oberhalb von 39,5°C Tumorzellen zu zerstören oder im Wachstum zu hemmen und gleichzeitig das gesunde Körpergewebe durch die Hitze nicht zu beeinträchtigen.
Ablauf einer Hyperthermiesitzung
Die Dauer einer Hyperthermiesitzung beträgt in der Regel zwischen ein und zwei Stunden. Die Hyperthermiebehandlung erleben die Patienten unserer Praxis in einer wohltuenden Umgebung, wo sie von unserem geschulten Praxispersonal durchgehend betreut werden. Es stehen stärkende ayurvedische Tees und ein kräftigender Naturtrunk zur Verfügung. Das gedämpfte Licht, entspannende Musik und die sanfte Farbgebung der Praxisräume tragen zur Entspannung bei. Weiterhin geben wir Infusionen mit hochdosiertem Vitamin C, 25 g, das in dieser hohen Dosierung direkt zellschädigend auf Tumorzellen wirkt, sowie Infusionen mit Mandelonitril (B17) und eine Spezialinfusion zur Regenerierung, Entgiftung und Ausleitung der entstandenen Schlackenstoffe.
In unserer Praxis arbeiten wir mit verschiedenen Arten der Hyperthermie. Dazu gehören die Ganzkörper-Hyperthermie, die Prostata-Hyperthermie und die Loko-regionale Hyperthermie.
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Geschichte der Hyperthermie
„Gebt mir die Macht, Fieber zu erzeugen, und ich heile jede Krankheit“ , sagte schon Parmenides, ein griechischer Arzt und Philosoph (540-480 v. Chr). Fieber war für den Menschen schon seit langem etwas Besonderes: Einerseits die Bedrohung durch den Tod, andererseits die Möglichkeit zu neuer Gesundung. Erstmals erwähnt wurde die heilende Wirkung der Wärme in den altägyptischen Hochkulturen. Dort wurden den Kranken Bäder in heißem Wüstensand verordnet. Die Mediziner der griechischen Antike haben diesen therapeutischen Ansatz dann konsequent angewandt und benannt: Überwärmung (griech.: Hyperthermie). Im Laufe der Jahrhunderte fanden sich verschiedene Anwendungsgebiete. So war beispielsweise die künstliche Erzeugung von Fieber mit Hilfe pyrogener Stoffe bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten üblich. Im Mittelalter wurden laut Überlieferungen Geschwülste der Haut mit glühendem Eisen verbrannt. Fieber galt als reinigendes Mittel, das den Körper entschlackt und entgiftet. Auch bei der Krebsbehandlung hat sich gezeigt, dass Wärme, Hyperthermie, von großem Nutzen ist. Der Grund: Tumorzellen sind extrem hitzeempfindlich. Bereits der amerikanische Chirurg William Coley (1862-1936) hat beobachtet, dass Krebspatienten nach einer Operation oftmals vollständig gesundeten, wenn sie eine starke Wundentzündung mit hohem Fieber durchgemacht hatten. Der Mediziner nahm an, dass der Temperaturanstieg nicht nur die körpereigenen Abwehrkräfte mobilisierte, welche die Entzündung bekämpften, sondern gleichzeitig auch den Tumor vernichteten. Der Physiker und Krebsforscher Manfred von Ardenne (1907 – 1997) war der Erste, der Krebspatienten gezielt mit Hilfe der Hyperthermie unter Benutzung von langwelligem Infrarotlicht behandelte. Da die Hyperthermie ein sehr anstrengendes Verfahren war, setzte Ardenne zur Unterstützung der Patienten während der Behandlung Sauerstoff ein. Zunächst war es schwierig, die Methode zu optimieren, da es an einer genauen Kontrollmöglichkeit der inneren Körpertemperatur mangelte. Im Laufe der Jahre jedoch entwickelte sich eine immer modernere Gerätetechnologie, die eine zunehmend bessere Steuerung der Überwärmung gewährleistete und die breite Anwendung in der medizinischen Praxis ermöglichte. Grundsätzlich werden als Hyperthermie all jene Verfahren bezeichnet, bei denen die Überwärmung des Körpers oder des Tumorbereichs durch Mikro- oder Radiowellen, bzw. durch Infrarotstrahler von außen bewirkt wird. Unterschieden wird davon die Fiebertherapie, bei der es zu einer „inneren“ Überwärmung kommt.
Wirkung der Hyperthermie
Krebszellen können aufgrund ihrer primitiven Blutversorgung Wärme im Gegensatz zu gesundem Gewebe schlecht abführen. Das hängt damit zusammen, dass Tumorzellen einen anderen Stoffwechsel und eine andere Gefäßversorgung haben als gesunde Zellen. In den Krebszellen entsteht so ein Hitzestau, der zu einer Unterversorgung der Tumorzellen mit Sauerstoff und zur Nährstoffverarmung im Tumor führt. Diese Mangelerscheinung führt zu Störungen wichtiger Stoffwechselprozesse bei der Zellteilung und Zellerhaltung, wobei auch Reparatursysteme der Zellen ausfallen. So können thermische (durch Hyperthermie geschädigte) Zellbestandteile nicht ersetzt werden, was zum Absterben der Tumorzellen führen kann. Untersuchungen haben weiterhin ergeben, dass Krebszellen bei einer Erwärmung auf ca. 42 Grad Celsius im Gegensatz zu gesundem Gewebe besonders geartete Eiweißstrukturen auf ihrer Oberfläche bilden. Diese Eiweißstrukturen, auch Hitzeschockproteine genannt, werden vom Abwehrsystem als körperfremd erkannt, so dass die Krebszellen vom Abwehrsystem zerstört werden können.
Hyperthermie wirkt also an zwei Fronten - Zum einen durch thermische Schädigung, zum anderen durch die Stimulierung des Immunsystems.
Diese starke Wirkkraft der Hyperthermie wird in Studien immer wieder eindrucksvoll belegt. So wurde vom Universitätsklinikum in Erlangen eine Studie zur Wirkung von regionaler Tiefenhyperthermie bei Blasenkrebs veröffentlicht. Es hat sich gezeigt, dass nach fünf Jahren von den teilnehmenden Patienten, die keine Hyperthermiebehandlung erhielten, 67 Prozent am Leben waren. Von denen, die mit Hyperthermie behandelt wurden, waren es noch 80 Prozent. Auch die Neigung zu invasivem Wachstum und zur Bildung von Metastasen konnte unter Hyperthermie deutlich reduziert werden. Die Auswertung der Studie zeigte, dass die Häufigkeit der Behandlung mit der Überlebensrate in einem direktem Zusammenhang steht: Je öfter die Patienten eine Überwärmung erhielten, desto besser ging es ihnen. Studien aus Holland und Italien konnten das Ergebnis bestätigen.
Hyperthermie in Verbindung mit Chemo/Strahlentherapie
In den letzten Jahren hat sich immer wieder gezeigt, dass Hyperthermie eine besonders gute Wirkkraft in Kombination mit einer Chemo- bzw. Strahlentherapie erzielt. Der Grund: Auch nach einer Strahlen- oder Chemotherapie kann sich der Tumor erholen und resistent werden gegen Strahlen und Zytostatika. Hier setzt die Hyperthermie an. Durch die Wärme werden die Erbanlagen der Tumorzellen geschädigt, was bewirkt, dass diese sich nicht mehr selbst reparieren und teilen können. Der Krebs hat folglich weitaus geringere Chancen, wieder nachzuwachsen.
Nationale und internationale Studien haben gezeigt, dass Zytostatika bei Temperaturen über 40 Grad Celsius deutlich aggressiver wirken als bei normaler Körpertemperatur. So konnte nachgewiesen werden, dass bei bestimmten Tumorerkrankungen der Krebsherd zum Teil vollständig zurückging. Bei anderen Krebserkrankungen gelang es durch die Hyperthermiebehandlung die Lebenszeit der Patienten zu verlängern und ihre Lebensqualität entscheidend zu verbessern. Das belegt eine randomisierte Studie mit über 340 Patienten mit Weichteilsarkomen. Von den Patienten, die eine Chemotherapie plus lokaler Hyperthermie erhalten haben, lebten diese im Mittel noch 32 Monate ohne Krankheitszeichen. Patienten der Vergleichsgruppe ohne Hyperthermie hatten dagegen nur 18 Monate keine Krankheitszeichen.