Dendritische Zellen
Krebserkrankungen mit Hilfe des Immunsystems zu bekämpfen, ist einer der zentralen Bestandteile jeder alternativen/ganzheitlichen Tumorbehandlung. Zu den wichtigsten Immuntherapien gehören zum Beispiel Hyperthermie, aktive Fiebertherapie oder die Behandlung mit Mistel- und Thymusextrakten, um nur einige zu nennen. Eine erst in den vergangenen Jahren durch nationale und internationale Studien zunehmend ins Rampenlicht gerückte Immuntherapie ist die Impfung mit so genannten dendritischen Zellen. Mit Hilfe dieser Zellen soll das Immunsystem quasi „abgerichtet“ werden, Krebszellen als Feinde zu erkennen und zu vernichten.
Was sind dendritische Zellen?
Dendritische Zellen werden auch als Wächterzellen oder Alarmgeber des Immunsystems bezeichnet. Zusammen mit Makrophagen, Monozythen und den B-Lymphozythen gehören sie zu den so genannten antigenpräsentierenden Zellen des Immunsystems.
Zu den Aufgaben dendritischer Zellen gehört es, körperfremdes (antigenes) Material aufzunehmen, mit dem sie dann andere Abwehrzellen, die T-Zellen, auf die antigenen Stoffe aufmerksam machen. Das wiederum ruft eine Abwehrreaktion der T-Zellen hervor. Die so aktivierten Zellen begeben sich zu dem erkrankten Gewebe und zerstören die eingedrungenen Fremdkörper.
Genau diesen Mechanismus macht sich die therapeutische Krebsimpfung zunutze.
Die Gewinnung dendritischer Zellen
Zur Gewinnung dendritischer Zellen werden Monozythen (eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen) aus dem Blut des Patienten isoliert. Diese werden dann mit verschiedenen Wachstumsfaktoren behandelt, so dass sich innerhalb von ca. 7 Tagen dendritische Zellen entwickeln. Anschließend "füttert" man die dendritischen Zellen im Labor mit Krebszellen und deren Tumorantigenen aus dem herausoperierten Krebstumor. Hierbei nehmen dendritische Zellen die Antigenstrukturen der Krebszellen auf. Sie werden zu antigen-beladenen dendritischen Zellen.
Bevor die dendritischen Zellen dem Patienten injiziert werden, müssen sie ausgiebig auf Viren, Bakterien, Pilze und Herstellungsrückstände untersucht werden. Erst wenn sie nach einer genauen molekularbiologischen Analyse absolut rein sind, dürfen sie dem Patienten injiziert werden. Die Impfung findet alle vier Wochen statt und soll mindestens viermal durchgeführt werden.
Die Wirkung dendritischer Zellen
Die dem Patienten injizierten dendritischen Zellen wandern in die Lymphzentralen. Dort erfolgt der Informationsaustausch, bei dem die Lymphozyten aktiviert werden. Diese erkennen dann die Tumorzellen als fremd und bekämpfen sie. Ziel dieser Therapie ist es, eine Verlangsamung des Tumorwachstums zu erreichen, bis zum möglichen Stillstand – und im Idealfall sogar die Rückbildung des Tumors.
Optimaler Zeitpunkt für eine Impfung ist direkt nach der Entfernung des Tumors, d.h. bei möglichst geringer Tumorlast. Das Immunsystem kann in dieser Situation eine wirksame Immunantwort gegen zukünftig auftretende Tumorzellen generieren. Weiterhin bilden sich in diesem Prozess aktive Erinnerungszellen, wodurch die Chancen auf eine Verlangsamung bzw. Rückbildung des Tumors erhöht wird. Ein Vorteil der Behandlung mit dendritischen Zellen ist, dass es nur sehr geringe bis keine Nebenwirkungen gibt.
Die Erfolge dieser Therapie sind recht ermutigend. So zeigen Studien aus den USA z.B. bei Prostatakarzinomen, dass selbst in hoffnungslosen Fällen nach drei Jahren rund 30 Prozent der Patienten durch eine Impfung mit dendritischen Zellen überlebt haben. Gleichzeitig trat eine Verbesserung ihrer körperlichen Verfassung ein. In der Kontrollgruppe, die diese Behandlung nicht bekommen hat, lebten nach derselben Zeitspanne nur noch 10 Prozent der Patienten.
Die Therapie mit dendritischen Zellen wurde bei folgenden Krebsarten erfolgversprechend eingesetzt:
- Malignes Melanom
- Nierenfellkarzinom
- Dickdarmkrebs
- Eierstockkrebs
- Brustkrebs
- Prostatakrebs
- Sarkome
- Lymphome
- definierte Leukämie
Die Behandlung mit onkolytischen (krebsauflösenden) Viren
Auch wenn es für manchen einen so scheinen mag, aber nicht alle Viren stellen eine Gefahr für den Menschen dar, im Gegenteil: Ärzte und Wissenschaftler benutzen inzwischen bestimmte Viren als Kooperationspartner in der Krebstherapie. Man spricht von den so genannten onkolytischen Viren, welche in der Lage sind, Tumorzellen zu befallen und zu zerstören. Zu diesem Zweck werden die Tumorzellen mit einem onkolytischen Virus infiziert, das sich im Tumorgewebe vermehrt. Das führt dazu, dass die Tumorzellen zerstört werden, die dabei austretenden Viren befallen weitere Krebszellen.
Newcastle Disease Virus (NDV) und dendritische Zellen
Ein sehr ausichtsreicher Kandidat unter den onkolytischen Viren ist das Newcastle Disease Virus (NDV). Es ist für Geflügel gefährlich, hat aber keinerlei gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen. Im menschlichen Tumorgewebe hingegen vermehrt es sich sehr effizient, was zu einer nahezu kompletten Zell-Lyse (Zellzerstörung) der Tumorzelle innerhalb kurzer Zeit führen kann.
In Verbindung mit dendritischen Zellen besteht ein vielversprechender Ansatzpunkt darin, dendritische Zellen mit NDV-infizierten Tumorzellen „vorzubehandeln“, um eine Aktivitätssteigerung der dendritischen Zellen zu indizieren.
Das Immunsystem wird dabei durch die dendritischen Zellen über das Virus informiert, was wiederum spezifische zytotoxische Zellen auf den Plan bringt. Das heißt, immer wenn eine Tumorzelle das Newcastle Disease Virus trägt, wird sie als fremd erkannt und als Ganzes zerstört. Auch hierbei wurden nur geringe bis keine Nebenwirkungen beobachtet.
